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Prädatoren und Invasive Neozoen

Gänsesäger

Von einem älteren Fischer habe ich gehört, dass im Freikanal in Aarau, einem kleinen Seitengewässer der Aare etwa 400 Meter oberhalb der Suhremündung, früher hunderte von kleinen Nasen zu beobachten waren. Die Nase, ein vom Aussterben bedrohter Fisch, der noch im unteren Lauf der Suhre laicht. Aber eines Tages war da plötzlich ein Schwarm Gänsesäger, da war es vorbei. An der Limmat habe ich gehört, dass ein toter Gänsesäger aufgeschnitten wurde, zum Vorschein kamen 50 kleine Barben, auch dies ein Fisch von der roten Liste. Aber das sind Fischer und keine Biologen, kann das stimmen?
Von einem Biologen konnte man hören, dass an gewissen Laichplätzen der Nase eine Überalterung festzustellen ist. Den Grund dafür nannte er aber nicht. Da fragt man sich, ob die Verlaichung das Problem ist oder vielleicht doch eher die Jungfischphase und sie das laichfähige Alter gar nie erreichen.
Aber ich denke hier braucht es keinen Biologen sondern Mathematiker um herauszufinden, dass der Gänsesäger eine enorme Belastung für unsere Aare zwischen Aarau und Brugg ist. 100 Gänsesäger x 50 Kleinfische x 365 Tage = 1‘825’000 Fische/Jahr. Die Fischer entnehmen in der gleichen Zeit und im gleichen Gewässerabschnitt etwa 6‘000 Fische, mit Beachtung von Fangverboten, Schonmassen und Schonzeiten.
Es gab eine Studie finanziert durch den Club 111 zur Entwicklung des Gänsesägers in der Schweiz und danach ein grösseres Projekt an der Berner Aare GZA (Gewässerzustand Aaretal) bei den rauskam, dass vor allem die Forelle, auch diese steht auf der roten Liste, unter dem Frassdruck des Gänsesägers leidet. Es konnten 64% (Aare) und 84% (Bäche) Forellenreste im Mageninhalt der untersuchten Gänsesäger festgestellt werden. (Nachzulesen im GZA Schlussbericht Seite 46-48)
Wieso wird ein Vogel, obwohl er im nahen Ausland in seiner Art nicht bedroht ist, bei uns nach seiner Einwanderung sofort unter strengsten Schutz gestellt? Brauchen wir wirklich noch mehr fischfressende Vögel? Unsere einheimischen, wie Haubentaucher, Eisvogel und der Wintergast Zwergtaucher, sind an unsere Gewässer angepasst. Sie haben mehr natürliche Feinde durch ihren kleineren Wuchs und vermehren sich nicht mit 8 bis 12 Jungen, da sie an die kleineren Fischbestände in unseren Gewässern angepasst sind.

Silvio Sidler Juni 2014 (Webmaster VFAB)

GZA Schlussbericht

Kormoran

Kantonaler Massnahmenplan Kormoran zum Schutz der Fische:
An Weihern, Kleinseen unter 50 ha und an allen Fliessgewässern sind die Kormorane jagdbar. Nur auf ihren Schlafbäumen, am Hallwilersee und an gewissen Flussstauen oberhalb von Flusskraftwerken, sind sie geschützt. An unserer Strecke sind dies: Hauptwehr Kraftwerk Wildegg-Brugg flussaufwärts bis zur Kläranlage Holderbank und vom Kraftwerk Rupperswil bis zur Gemeindegrenze Rohr/Aarau-Rupperswil. Die Jagdzeit ist grundsätzlich vom 1. September bis 31. Januar und kann nach Erfordernissen bis 31. März verlängert werden. Von der Verlängerung sind die Laichplätze von Äsche und Nase betroffen. Mehr über dieses Thema findenSie bei der
Jagd und Fischerei des Kantons Aargau.
Sektion Jagd und Fischerei 2010

Schwarzmeergrundeln

Die Eröffnung des Rhein-Main-Donau-Kanals vor rund 20 Jahren machte es möglich, dass die im Schwarzen Meer und im Donau Mündungsgebiet heimischen Grundelarten den Weg zu uns finden konnten. 1997 wurden erste Grundeln in der Donau und im Jahre 2011 erstmals in Basel gefunden.
Die Professorin Dr. Patricia Holm der Universität Basel und Projektleiterin von „fischnetz“ berichtete nun in einem Vortrag für den Aargauischen Fischereiverband (AFV) in Lupfig vom Donnerstag 19.09.2013 über den aktuellen Stand der Forschungsarbeiten und die Bedrohung durch die Schwarzmeer Grundeln für die Schweiz.
In Ihrem Vortrag zeigte Patricia Holm wie ernst die Lage bereits ist, da sich schon zwei Grundelarten aus dem Schwarzen Meer in erheblicher und beängstigender Zahl im Basler Hochrhein ausbreiten.
Die Schwarzmeergrundeln gehören aufgrund ihrer Ausbreitungsfreudigkeit und erfolgreichen Vermehrung zu den invasiven Arten. Das heisst es sind anspruchslose Fische welche sowohl verschmutztes Wasser, niedriger Sauerstoffgehalt als auch grosse Trübung tolerieren. Durch die hohe Zahl an Nachkommen können sie in kurzer Zeit grosse Bestände bilden. Die Grundeln laichen bis zu viermal pro Jahr vor allem während den Sommermonaten und können eine Grösse von rund 18 bis 24 cm erreichen.
Durch die Saugscheibe am Bauch der Schwarmeergrundeln erkennt man gut den Unterschied zu unseren heimischen Groppen. Die erste Art, die gefunden wurde ist die Kesslergrundel Es existieren noch drei weitere Arten; Die Schwarzmundgrundel mit einem schwarzen Fleck auf der Rückenflosse, die Flussgrundel (oder Nackthalsgrundel) sowie die Marmorgrundel. Diese insgesamt vier Arten bereiten den Experten grosse Sorgen.
Die Grundeln bevorzugen zur Ablage der Eier die Unterseite von horizontalen Flächen im Wasser, wie dies Boote hervorragend zur Verfügung stellen. Der Laich wird an Schiffsrümpfe angeheftet und verbreitet sich dadurch über weite Distanzen, oder sie gelangen als Larven mit dem Ballastwasser von Schiffen in neue Regionen. In Anbetracht der grossen Entfernung, die sie in weniger als 10 Jahren vom Donauraum bis nach Basel bewältigt haben, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie aktiv schwimmend zu uns gelangt sind. Die Schwarzmeergrundel ist ein schlechter Schwimmer.
Untersuchungen der Universität Basel im Hafen Kleinhüningen mit Hilfe von Krebsreussen und Hundefutter als Köder haben ergeben, dass sich die Grundeln innert nur einem Jahr stark vermehrt haben. 2013 wurden leider auch bereits viele Jungtiere gefunden.
Gemäss brandaktuellen News von Patricia Holm konnten 2013 im Hafen Kleinhüningen mit Hilfe von Laichfallen 33‘000 Eier entnommen werden. 95% dieser befruchteten Eier wären geschlüpft, wenn man diese nicht entfernt hätte. Durch diese hohe Überlebensrate würden sich ohne Massnahmen die Grundeln wohl exponentiell vermehren und unsere einheimische Fische wie z.B. die Groppen und heimische Grundelarten verdrängen, mit bisher unabsehbaren ökologischen Folgen. Denn die Grundeln sind gefrässige Räuber und können bis zu 75% ihres Körpergewichts an Eiern fressen. Sie können die Eier unserer heimischen Fische sehr gut ausfindig machen, bis zu 60% der Eier werden, auch wenn sie noch so gut versteckt sind, gefunden und gefressen. Sie verdrängen ansässige Groppen sogar aus bereits besetzten Laichhöhlen.
Die Situation an den österreichischen Donauufern hat sich bereits katastrophal verschärft. Die Fischer sind frustriert, dass sie nur noch diese Grundeln fangen. Ein Angler hat beispielsweise über 180 Grundeln innert 4 Stunden mit der Angel gefangen.
Rund 70 Prozent der Schweizer Gewässer und die meisten Seen sind Teil des Rheineinzugsgebietes. Unser Kanton Aargau gilt als Schlüsselstelle um die Ausbreitung in Aare, Limmat und Reuss zu stoppen. Dabei ist das Kraftwerk Rheinfelden die wichtigste Stelle, an dieser schleusenlosen Sperre endet die Rheinschifffahrt.
Freizeitboote müssen hier aus dem Wasser gehoben werden. Dies wäre somit die grosse Chance die Boote auf Eier und festhaftende Grundeln zu untersuchen und zu säubern. Die Fischtreppen am Kraftwerk erlauben zudem dank ihren Zählbecken die Beobachtung und gegebenenfalls Aussortierung der Fische.
Sollte dies nicht klappen und Grundeln schaffen den Weg über diese Treppen, so könnte man alternativ durch systematisches Controlling die Staustufe Klingnau beobachten. Sie bilden den Zugang zur Aare und damit zum Mittelland. Dort wird zurzeit durch die Neukonzessionierung ein neues Fischaufstiegskonzept geplant.
Durch Aufklärungskampagnen erhofft man sich die Ausbreitung einzudämmen. Fischer sind gebeten gefangene Grundeln auf keinem Fall in ein Gewässer zurückzusetzen, sondern den Fund zu melden. Meldungen bitte an den nächste Fischereiaufseher oder direkt an die Basler Anlaufstelle, kantonaler Fischereiaufseher Hans-Peter Jermann 061 639 22 32 oder hans-peter.jermann@bs.ch. Bitte auch eine Meldung an webmaster(at)vfab.ch.

Barbara Burtscher (September 2013)